Only Live

27. Januar 2003
Jasmin Tabatabai
Chet - Records
Number of discs: 1

Den Mut zu einer Tour hatte Jasmin Tabatabai zu einem Zeitpunkt, als sich schon fast keiner mehr ihrer erinnerte. Das zeugt von Vertrauen in die eigenen Qualitäten, und die lassen sich jetzt ungekünstelt nachprüfen. Vornehmlich sticht das Songwriting ins Auge, sorry: ins Ohr. Das entsprechende musikalische Credo enthält am ehesten „Another Sad Song“, der von jener griffigen Formel handelt, die Jasmin Tabatabai anlässlich ihres Studio-Albums Only Love selbst anwandte: „Wenn man glücklich verliebt ist, schreibt man keine Lieder.“ Zeit für eine kleine Depression? Ja — aber nur für eine kleine. Denn die Songs sind wie jedes menschliche Gefühl im Schattenreich der Grautöne angesiedelt, und nur im Wechselspiel von Schwarz und Weiß vermögen sie wirkliche Tiefe zu gewinnen. Okay: „It All Comes Back To You“ macht da eine Ausnahme — diese Nummer rauscht einfach farblos durch die Synapsen und wird — Gott sei es gedankt — von einem tangohaften „After You Killed Me“ grandios gerettet.

Aber der restliche Stoff pusht die Emotionen weit in den roten Bereich; im Reich der gefühlvollen Songs entpuppt sich Jasmin Tabatabai als unbescholtene Königin. Dabei gelingt es auch ihrer Band mühelos an den Instrumenten stets jenen Teppich zu weben, den die Stimmung gerade verlangt. Und die ist vielfältig wie ein amerikanischer Quilt. Ende der Märchenzeit: Was bleibt unterm Strich? Die wahrscheinlich solideste Qualität, die man einer deutsch-persischen Pop-Stimme attestieren darf: Von Track zu Track lernt man sie immer um ein Stückchen mehr lieben! P.S.: Wer der Bühnen-Göre noch ein wenig näher kommen will, dem sei der Hidden Track empfohlen. –Sigi Perner
kulturnews.de

Die Luft füllt sich mit Hitze und Rauch, das Licht verdämmert, ein Raunen aus den Boxen, dann Schlagzeug, die ersten Gitarren-Akkorde – und in derselben Sekunde verwandelt sich die Halle in einen Schmelztiegel. Jeder, der einmal ein richtig gutes Konzert miterlebt hat, weiß, wie das sich anfühlt. Und wenn man irgendwann allein im Auto sitzt, die CD einlegt und das Gefühl hat, wieder mitten im Zentrum dieses Schmelztiegels zu sein, dann ist es ein gelungenes Live-Album – wie dieses der Schauspielerin und Gelegenheitsmusikerin Jasmin Tabatabai. Dann stören die manchmal unsauberen Töne kaum und auch nicht die bisweilen eigenwillige Live-Interpretation. Wer sich auf eine originalgetreue Umsetzung des Studioalbums „Only Love“ gefreut hat, könnte enttäuscht sein, doch der Frust dürfte schnell verfliegen, wenn die euphorisierte Menge „Catch me“ silbengenau mitsingt. Das gibt es eben only live … (bcw)

(C) 2020 Jasmin Tabatabai